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Überlebende des KZ Auschwitz/Birkenau erzählt ihre Lebensgeschichte
Schüler des BBZ Hochwald tief betroffen

Tief bewegt und regungslos lauschten rund 100 Schülerinnen und Schüler des BBZ Hochwald der 82-jährigen Blanka Pudler, die mit zuweilen gebrochener Stimme ihre Lebensgeschichte unter der Nazi-Diktatur erzählte.

Organisiert wurde die Veranstaltung von Herrn Hasenmüller vom Maximilian-Kolbe-Werk, der mit der 82-jährigen Ungarin zweimal im Jahr Schulen in Deutschland besucht, um Schülern das schreckliche Geschehen, das die Jüdin im KZ Auschwitz erlebte, vor Augen zu führen und so dazu beizutragen, dass dies niemals in Vergessenheit gerät.

Geboren 1929 in Akna-Slatina in der Ukraine wuchs Blanka Pudler in einer ärmlichen, sehr religiösen Familie auf. Wegen sehr schwieriger Lebensumstände war ihre Kindheit von ständigen Umzügen geprägt. Sie lebte abwechselnd in der Ukraine, Ungarn und in der Tschechoslowakei, wurde ständig mit mehreren Sprachen - Deutsch, Ungarisch und Slowakisch - konfrontiert und litt in der Schule deshalb unter großen Sprach- und Sprechschwierigkeiten.

Als 1944 Ungarn von den Nazis besetzt wurde, musste sie zum ersten Mal einen Davidsstern tragen und wurde unter massiven Drohungen mit ihrer Familie ins neu eingerichtete Ghetto für Juden gebracht. Doch der Aufenthalt hier währte nicht lange. Noch im gleichen Jahr wurde sie mit 75-80 Juden in einen dreckigen Viehwaggon geladen mit ungewissem Ausgang. Niemand wusste, wohin die Reise gehen sollte. Nach drei Tagen Bahnfahrt unter unmenschlichen Bedingungen - kaum Trinkwasser, Sauerstoffmangel, hysterischen Anfällen, auch Todesfällen - kamen sie im KZ Auschwitz an. Nachdem sie vorher schon von ihrer Schwester getrennt wurde - diese wurde in einen anderen Waggon geladen - sah sie am Lagereingang ihre Mutter das letzte Mal, denn als Erstes fand die Selektion statt: Männer und Frauen wurden getrennt, ebenso Ältere und Schwächere von Jüngeren und Kräftigeren. Was folgte waren absolut menschenunwürdige, erniedrigende Zeremonien und Zustände: Kahlrasieren, Desinfektion mit einem brennenden Mittel, notdürftige Kleidung, Wohnen mit 800-1000 Leuten in einer Baracke.

Nur zwei Lichtblicke hatte Blanka Pudler im Lager B3 in Auschwitz/ Birkenau: Sie traf ihre Schwester wieder, die ihr immer wieder half, ihre Hoffnung nicht zu verlieren, und eine polnische Aufseherin rettete ihr Leben. Als sie nämlich nach ihrem Alter befragt wurde und sie wahrheitsgemäß „15 Jahre“ antworten wollte, bezichtigte sie die Aufseherin der Lüge und rettete sie so vor dem sicheren Tod im Krematorium, da Arbeitskräfte erst ab 16 Jahren im Lager gebraucht wurden.

Aber die Grausamkeiten in Auschwitz nahmen kein Ende. Hunger, vor allem Durst - der sie auch Schmutzwasser trinken ließ - Kälte und Drill waren ihr ständiger Begleiter. Wer krank wurde - und das wurden viele - landete in der Gaskammer. Auch Blanka Pudler verbarg, dass sie mittlerweile eitrige Wunden an den Füßen hatte. Nach einer erneuten Selektion wurden sie nach 7 Wochen Aufenthalt in Auschwitz nach Lichtenau in eine Munitionsfabrik gebracht. Auch hier berichtet sie von massiven Ängsten, ob z. B. aus der Dusche wirklich Wasser kommt oder doch vielleicht Gas strömt? Auch die SS-Aufseherinnen der Fabrik kannten keine Gnade: massive Schläge bei sehr schwierigen Arbeitsbedingungen und Aufhetzen der Hunde gegen sie verschlimmerten ihre Lebensumstände täglich.

Als im März 1945 das Lager evakuiert wurde, war ihre Odyssee noch nicht zu Ende. Bei einem Zwischenaufenthalt im Lager Schönau, das durch Bombenbeschuss völlig abbrannte, starben viele. Es folgte ein anschließender zweiwöchiger Todesmarsch - nur Essen von der Straße, wer nicht mehr konnte, wurde erschossen, die Kleidung verfaulte am Körper.Als sie im April 1945 endlich von den Amerikanern befreit wurden, waren sie völlig am Ende mit ihrer Kraft. Krank, heimatlos, ohne Besitz, ohne Eltern - auch ihr Vater war 1944 in Dachau unter schrecklichen Umständen gestorben - kamen die beiden Schwestern bei ihrer älteren Schwester, die auch überlebt hatte, unter. Seit 1945 lebt Blanka Pudler nun in Budapest.

Immer wieder muss sie ihre Erzählungen unterbrechen, um sich von den Erinnerungen nicht überwältigen zu lassen. Sie wird bis heute von Alpträumen verfolgt und die Angst vor Schäferhunden ist geblieben, auch ihre Füße sind nicht mehr ganz genesen. Trotzdem empfindet sie keine Rachegefühle gegen die Deutschen. Sie gibt der Hoffnung Ausdruck, dass wenn sie ihre Geschichte immer wieder erzählt, so etwas nie wieder passiert, und sie möchte vor allem viele Jugendliche erreichen, damit dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte nicht vergessen wird.

Blanka Pudler betonte auch, dass ihr vor allem ihre Schwester während der schrecklichen Zeit immer wieder Kraft gegeben habe. Sie hätten von der Zukunft gesprochen und die Hoffnung nie aufgegeben. Dies hätte ihnen ermöglicht zu überleben.

Die große Anzahl von Fragen, die die Schüler Blanka Pudler nach ihrem Vortrag stellten, zeigte, welch bleibenden Eindruck ihre Lebensgeschichte bei den Schülern hinterlassen hatte.

Auch Schulleiter Gerd Barbian zeigte sich tief betroffen und erklärte, dass es schwer sei, nach einem solchen Vortrag die richtigen Worte zu finden. Er gab aber auch der Hoffnung Ausdruck, dass so etwas nie wieder passiert, wenn immer wieder daran erinnert werde, und wer könne das besser als Zeitzeugen, von denen es leider nur noch wenige gäbe. Umso wichtiger sei es, die letzten lebenden Zeitzeugen gerade auch in Schulen einzuladen, um der Jugend dieses schreckliche Kapitel der deutschen Geschichte immer wieder vor Augen zu führen - gerade auch wegen der neuesten rechtsradikalen Vorkommnisse - und auf diese Weise dafür zu sorgen, dass sich so etwas nie wieder wiederholt.


Frau Blanka Pudler (li), Herr Hasenmüller, Frau Lang

 

 

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